Da die meisten Aufnahmen, die wir kennen, aus dem Jahr 2015 stammen, vermuten wir nun, daß Gitas Vorgänger im Jahr 2014, Zyklon Ian, hier vermutlich für einen radikalen Rückschnitt gesorgt hatte. Die Lücken haben sich im tropischen Klima nun aber längst geschlossen, hier ist kein Durchkommen mehr, Holzsammeln wird nur am Waldsaum und am Strand möglich sein, sollte uns dies einmal ausgehen, ist anstrengendes Kriechen durchs Unterholz angesagt.
Der Witz ist, daß wir das tägliche Feuermachen eigentlich gewöhnt sind, denn unsere Berliner Altbauwohnung hat noch einen Kohleofen. Vielleicht sind wir aber gerade deshalb zunächst etwas hilflos, denn das auf den ersten Blick offensichtlich fehlende Anzündematerial bringt uns aus dem gewohnten Feuermach-Konzept. Das wenige vergilbte Gras auf der Wiese ist feucht vom Regen, Reisig, wie ihn Laubbäume in nördlichen Gefilden produzieren, gibt es hier nicht. Wir lernen aber schnell, aus trockener Palmenborke und Kerosin ausgesprochen gut funktionierende Anzünder herzustellen und damit ein kleines, aber dauerhaftes Feuer zu starten, ohne gleich zu Anfang große Mengen Holz verschwenden zu müssen.
Das Unternehmen Robinson ist nicht wirklich ein Survival-Training, eher ein back to the roots. Lernen, mit wenig auszukommen, vor allem mit sich selbst. Auch wenn wir für den Notfall als Netz und doppelten Boden immer das Telefon haben, hier vor Ort sind wir jetzt auf uns gestellt und müssen entsprechend umsichtig agieren. Hier gibt es keinen Dr. Bob, der sofort herbeigeeilt kommt, wenn wir uns mit der Machete verletzen oder uns am Korallenriff ein Bein brechen.
Als der Mann begeistert von der Inselumrundung zurück ist, bleibt daher auch nicht viel Zeit für ausführliche Erzählungen. Wenn wir unseren ersten Kochversuch nicht im Stockfinsteren durchführen möchten, ruft jetzt die Pflicht. Holz sammeln, Anzünder präparieren, verirrte Einsiedlerkrebse aus der Feuerstelle sammeln, das Feuer entzünden und am Brennen halten.
Anfangs werden die Feuer ungleichmäßig, mal schlägt die Flamme einen Meter hoch und verkokelt (wohl nicht zum ersten Mal) die unteren Blätter des Gummibaums, mal erlischt sie fast und kann nur mit Mühe reanimiert werden. Wir lernen minütlich dazu. Da wir uns für den ersten Abend mit einer Dose Ravioli etwas Einfaches ausgesucht haben, haben wir auch tatsächlich bald eine warme Mahlzeit auf dem Tisch. Wir sind mächtig stolz auf uns, fotografieren das Feuer und sogar die Dosenravioli. Und nicht nur wir sind begeistert, das gelungene Werk zieht bald eine Fangemeinde an.