Bericht 2008 – Seychellen
Seychellen, einige Glanzlichter aus dem Logbuch:
12.01. 08 : Nagelneue Marina, Roche Caiman, gute Einführung in die „Canelle“ (Boot Oceanis 411, = 41 Fuß) durch Herrn Yann. -- Toni, Frieda und Christel kaufen in Victoria Proviant ein – was noch nicht geliefert war. Am Straßenrand ein improvisierter Fischmarkt auf dem Asphalt –riesige Fische. Abendessen an Bord.
13.01. Die neue, authentische Tiroler Fahne wird unter Absingen von „Tirol isch lei uans“ geheißt. Leinen los, zwischen verschiedenen neuen künstlichen Inseln (so an die ein-zwei Kilometer lang, mit Villen und Hotels für die Reichen), deshalb ist die Orientierung schwierig, da die Seekarten nicht mehr stimmen. Nördlich von Victoria Segel gesetzt, die Insel St. Anne unter Segeln umrundet. Geankert, gleich kommt ein Suckerfisch und mehrere Fledermausfische, die mit den gelben Brustflossen. Fische gefütter – ja, ja, sollte man eigentlich nicht tun. - Cockpit-Tisch kaputt, gleich repariert.
14.01. Am Morgen donnern die Brecher über die Riffkronen der Anse Manon – über ein Seemeile hörbar. Besuch des neuen St.Anne-Resort: Kaffee am Pool, ziemlich teuer, abgeholt im Elektroauto. Die schönen Riesenschildkröten haben sie nach Aldabra verfrachtet – wo es schon 200 000 gibt. Wahrscheinlich haben die Tiere die Gäste gestört, vielleicht in der Paarungszeit…. Ein Kreole zeigt uns die Schleifspuren einer Meeresschildkröte, die vor ein paar Stunden Eier unter den Sträuchern abgelegt hatte und dann bei Niedrigwasser wieder ins Meer zurückkehrte. Bei Moyenne (dort lebt immer noch der spleenige Engländer ) geschnorchelt. --- In der Nähe ankert eine riesige Motoryacht, ILONA – am Abend fliegt ein Helikopter von ihr zum Flughafen und kommt nach einer Stunde zurück. Der arme Besitzer musste wohl zurück zur Arbeit. Ich nicht.
15.01. Sehr schöne Überfahrt, alles unter Segeln, bei gutem Wetter und Sonne – nach Praslin. Gefischt – eine Menge schwimmendes Seegras. Mit einer 50 EUR teuren Ausrüstung. Auch später keine Fische gefischt, weder Frieda noch ich, wohl aber war da einer an der Oberfläche, ca 70 cm lang, der sich im letzten Augenblick losriss . Mehrere Köder haben sie später verschluckt oder losgerissen, wer weiß. Arme Fische.
15.01. Baie St. Anne , an einer Boje. - Am Morgen das Kreuz des Südens bewundert, mit Toliman und Agena. - Toni hatte Wein aus Dorf Tirol mitgebracht, aber auch der südafrikanische schmeckt gut (Doppelliterflaschen). Alles ist jetzt erstaunlich billig, starke Entwertung der Rupie, warum wohl? In den „Resorts“ ist allerdings auch der Kaffee teuer und man bezahlt nur in EUR oder USD – der Dollar verliert immer mehr an Beliebtheit. – In der Ogani-Bar, gutes preiswertes Essen, da gibt es einen Käfig mit fliegenden Hunden (fliegender Fuchs auf englisch, ist zutreffender). Ich hatte gehört, dass man da Bat-Chutney essen könnte und bestellte das – erntete aber nur misstrauische Blicke. Der hübsche „Hund“ hängt mit dem Kopf nach unten im Käfig und bellt gelegentlich, auch schleckt er Christels leuchtende Taschenlampe ab – ein schöner Videoclip-. Leider ist Sandra, eine Schweizerin, hier nicht mehr die Gastwirtin. Sie ist mit dem Kind zurück nach Europa.
16.01. Am Morgen ca 110 Liter Regenwasser aus dem Dinghy geschöpft, ein paar Tage später ebenso. Im Dinghy zu viert zur Kirche, dann unter der Brücke der neuen Insel durch und nach Anse Farine – dort eine Kokosnuss mit einem Beduinenmesser aus Jordanien und einem Wantenschneider für 13 mm-Draht bearbeitet – leider vergeblich. Trotzdem, bei genügender Ausdauer hätte es geklappt. Geschnorchelt: Das Riff erholt sich nur langsam, kleine neue Korallenköpfe, ca 20 cm groß, immerhin. – Alte Hirnkorallen. Korallenbleiche- -- Die Seychellen haben einen neuen Präsidenten, man sieht noch kreolische Wahlplakate.
17.01. Von der Boje zum Steg von Dream Yacht, Wasser getankt, dann nach St. Pierre, drei Untiefen an Steuerbord, geankert, auf gutem Sandgrund. - Viele Flecken-Pompanos (Makrelenart ?), sehr schöne Videoclips. – In die Laraie-Bucht der Insel Curieuse gesegelt (fast bis Rouge Point), dann an Boje fest. In der Nähe geschnorchelt – auch hier Korallenbleiche, aber doch Artenvielfalt der Fische.
18.01.
Ein Wächter zeigt uns das „Zerlegen“ von Kokosnüssen: Die grüngelben werden auf einen Hartholzpflock gehauen, dann löst er den Bast und mit einer Machete schlägt er die Nuss entzwei. Die grünen spitzt er mit der Machete an und macht ein 3 cm - Loch zum Austrinken. Das „Fleisch“ ist nur dünn, dafür viel Saft. – Kurze Wanderung durch den Mangrovenwald. Der letzte Tsunami hat etwa zwei Drittel der großen Turtle Pond-Mauer zerstört, nur mehr ein paar Steine sind zu sehen. -- In der Bucht „Petite Court“ geschnorchelt – viele schöne größere Fische. Dann kommt ein junger Kreole (Herr Esparon) in einem Boot und bietet uns an: Lobster für vier Personen, von ihm an Bord der Canelle gekocht – er kennt das Schiff, war früher „technician“, dann lernte er kochen. Alles schmeckte am Abend an der Boje in der Baie St. Anne vorzüglich.
19.01. Schon wieder längerer Regen (viel häufiger als in den letzten Jahren). Leinen los – nach La Passe, La Digue. Wind ca 4 Bft (das Boot hat keinen Windmesser), aus nördlichen Richtungen. Im Hafenbecken Schwierigkeiten, der Anker hält nicht mehr, die Crew stemmt unser Boot von einem Nachbarkatamaran ab, leider am Relingsdraht.. Der lockert sich. Am nächsten Tag war er wieder straff. Alles fotografiert und einen Bericht für die Basis geschrieben (der kreolische Skipper war außer sich, erlaubte mir nicht, an Bord zu gehen, um den Schaden zu besichtigen). Schließlich liegt Canelle sicher vor Anker und an zwei Landfesten. Wir gehen über eine kleine Treppe an Land.
Ein schlechter Tag: 1. Im Dinghy dienen wir der Belustigung der Zuschauer, weil wir unter den verschiedenen Landfesten durchkriechen müssen--... 2. In einer Kaffee-Bar vertreiben uns Jugendliche mit einer dröhnenden Stereoanlage, trotz der Bitten der Kellnerin. 3. Wir landen in einem schlechten Gasthaus (Chez Marston), eigenartiger alter Mann, schlechtes Essen.
20.01. Ein guter Tag, trotz Regen: Wir fahren mit Ronnies Ochsentaxi durch La Digue. Der „Ochse“ ist ein Bulle und heißt Johnny Walker. Er kann sogar auf der engen Straße wenden, er ist friedlich und gut trainiert. Der Taxidriver erklärt gut und viel, er zeigt uns den alten Friedhof, die Kopramühle, führt uns noch einmal das Bearbeiten von Kokosnüssen vor, bringt uns zu den Riesenschildkröten an den großen Felsen, stöbert einen „flycatcher“ (sehr seltener Vogel) im Baum auf, zeigt das Old Plantation House usw. Wir essen ausgezeichnet im Kiosk vor der Anse Source d’argent, waten bei Hochwasser durch den Sand und über die abgestorbenen Korallenplatten, krabbeln an den riesigen Felsen herum und kehren um. Im Ochsenkarren geht es auf einer „inneren“ Route zurück: Vanille, ruhende Ochsen, kleine Hotels und Gästehäuser-
21.01. Wetternachrichten, telefonisch, vom Band: Wind 20-25 km/h.
Einkaufen: Briefmarken, freundlicher Postmeister, dreisprachige Tageszeitung bei der Polizei gekauft, sowie einige Andenken bei einem Mann, dessen Vater Chinese war, die Mutter Kreolin. – Ein freundlicher Kreole übersetzt mir ein kreolisches Gedicht in der Zeitung. . Unter Segeln La Digue umrundet, in Grand Anse geankert, gebadet. Die vor etwa einem Jahr gestrandete und ausgeplünderte „Bavaria“ am Strand von Marianne Is. im Fernglas deutlich gesehen, von Friedel (Seychellen-Forum) bestätigt. Zurück nach Baie St. Anne, im Coco Rouge sehr gut und preiswert gegessen (von Robert empfohlen, der uns mit Getränken an der Boje versorgte)
22.01. Nur mehr teilweise bewölkt. Die Hähne krähen, die Hunde bellen.
Kurz vor 10 Uhr an der Insel Cousin angekommen, wir liegen an einer Boje. Ein Rasta holt uns in einem Stabil-Dinghy ab. Dann braust er an Land, hinauf auf den Sand. Hervorragende Führung (englisch) durch die Insel (eine Broschüre war sehr hilfreich – Vögel, Schildkröten, Bäume, Krabben, Geckos usw.) – Zurück: Vier Rastas schieben das Dinghy über den Sand hinunter, einer springt hinein, gibt Gas. Alles sehr, sehr sehenswert. Schöne Videos.
Zurück Kurs Praslin. Plötzlich verschwindet im Regenschauer alles, zuerst Cousin, dann auch Praslin. Kurs 150 gesteuert, um die Riffe der Grand Anse zu vermeiden.
Bei Dream Yacht speichert Jerome meine Digitalbilder von dem Relingsdraht des Katamarans. Jerome ist perfekt mit Computern usw. ausgerüstet.
Wieder kocht Frieda hervorragend.
23.01. Ein gelbblauer Passagier-Schoner fährt unter Großsegel aus der Hafenbucht hinaus! Aufgelockert bewölkt. Ca 1,5 m Dünung aus NNW, bis 7,1 kn speed, unter Segeln. Bis Gran Soeur gesegelt, Wetter wird schlechter. Die Cocos-Inseln umrundet (an Steuerbord gelassen, Felicité an Backbord), Segel geborgen, dann ist im Regenschauer plötzlich alles anders: Keine Sicht, graue Dünung; Kurs 270 (Schätzung), am GPS kontrolliert, Kurs 275, Ave Maria kommt allmählich in Sicht, später Round Island. – Abends in der Ogani-Bar Huhn mit Honig und Ingwer, und als Vorspeise geräucherter Marlin, besser als Lachs.
24.01. Im Dinghy zum New Emerald Cove, Spaghetti Carbonara, Weißwein und Espresso, alles erstaunlich billig. Zurück im Regenschauer. Unser Schiffskoch kommt wieder, zerlegt einen Kingfish, Frieda brät ihn in zwei Pfannen, alles in allem, mit einer Ananas, 15 USD. Abends einige Blitze in der Ferne.
25.01. Endlich etwas besseres Wetter, endlich schönes Schnorcheln mit Unterwasservideos (vor allem: Seychellen-Husaren) im Riff südlich der Anse Farine. In der Nähe der Riffkrone noch gut erhaltene Korallenstöcke, mehrere Meter groß.
– Auschecken = debriefing, alles O.K., volle Kaution zurückbekommen.
Auf dem Steg wird ein 2,5 m langer Sailfish zur Schau gestellt – ein faszinierender Fisch, eigentlich schade. Ob der wirklich segelt?
In der Nacht lautstarke Musik von unserem Nachbarboot, einem 82 Fuß – Monsterkatamaran. Canelle kontert mit ebenso großer Lautstärke: Ouvertüre von „Don Giovanni“, und eine Rache-Arie, sehr passend. Die Franzosen geben auf, wir auch. --- Insgesamt nur 114 Seemeilen, relativ häufig unter Motor.
26.01. Mit dem Katamaran Cat Coco nach Victoria, Ausspannen am Strand von Beau Vallon, Baden in den Wellen, Spazieren, Nichtstun.
Zum Flughafen, zurück nach Frankfurt mit Condor, sehr, sehr zähes Beefsteak.
Walter Alber